„Hörgeräte brauche ich erst im hohen Alter“ oder „Mit Hörgeräten sieht man alt aus“ – Aussagen wie diese haben wir vermutlich alle schon einmal gehört. Problematisch dabei: Obwohl viele Menschen von einer Hörminderung betroffen sind, wird kaum darüber gesprochen – und oft nicht auf Grundlage von Fakten. Wir klären zehn verbreitete Mythen rund ums Hören und um Hörgeräte auf und ordnen sie fachlich ein.
Fakten gegen Fehleinschätzungen
Bereit für geballtes Wissen und Fakten zu Mythen rund ums Hören? Los geht’s:
Mythos 1: „Hörminderung ist erst ein Problem im Alter.“
Leider falsch. Eine Hörminderung kann in jedem Alter auftreten – bei Babys, Jugendlichen, berufstätigen Erwachsenen und älteren Menschen. Eine unbehandelte Schwerhörigkeit kann sich weiter verschlechtern und die Lebensqualität senken. Eine frühzeitige Diagnose durch einen HNO-Arzt ist entscheidend, um eine Hörminderung durch die Versorgung mit Hörsystemen bestmöglich auszugleichen und die Lebensqualität zu erhalten.
Mythos 2: „Es ist nicht schlimm, wenn ich schlechter höre – das wird von alleine wieder besser.“
Ein weit verbreiteter Irrglaube. Sind die Sinneszellen im Hörorgan erst einmal beschädigt, werden sie nicht wieder gesund. Die Schwerhörigkeit bleibt lebenslang bestehen. Unbehandelt kann sie sich unwiderruflich weiter verschlechtern, bis zum völligen Hörverlust sowie einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und Teilhabe.
Mythos 3: „Einseitiger Hörverlust ist kein Problem – wir hören ja mit dem anderen Ohr.“
Auch das ist falsch. Unser Gehirn braucht beide Ohren, um Geräusche räumlich zu verorten und Sprache in lauten Umgebungen zu verstehen. Deshalb kann auch ein einseitiger Hörverlust die Kommunikation stark erschweren. Er sollte also ernst genommen und behandelt werden.
Mythos 4: „Wer schlecht hört, merkt das sofort.“
So einfach ist es nicht. Eine Hörminderung entwickelt sich oft schleichend. Betroffene bemerken ihn deshalb meist erst nach einiger Zeit. Umso wichtiger ist es, bei den ersten merklichen Anzeichen einen Hörakustiker oder HNO-Arzt für einen Hörtest aufzusuchen.
Mythos 5: „Wenn ich nur ab und zu in einer lauten Umgebung bin, macht das meinen Ohren nichts aus.“
Leider nein. Bereits ein einmaliges lautes Geräusch kann zu unmittelbarer Schwerhörigkeit führen, verursacht durch ein sogenanntes Knalltrauma. Durch chronische Lärmbelastung in Beruf oder Alltag hingegen entwickelt sich Schwerhörigkeit oft schleichender. Das Hörvermögen lässt sich nicht vollständig wiederherstellen. Eine frühzeitige Diagnose und individuelle Behandlung ist entscheidend für den weiteren Verlauf.
Mythos 6: „Weil wir uns an laute Geräusche gewöhnen, werden sie mit der Zeit weniger schädlich.“
Auch das stimmt nicht. Das Gehör kann sich zwar subjektiv an Lärm gewöhnen, die empfindlichen Hörzellen werden jedoch weiterhin geschädigt – und zwar unwiderruflich. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um eine Hörminderung durch die Versorgung mit Hörsystemen früh und bestmöglich auszugleichen.
Mythos 7: „Wenn ich nicht komplett taub bin, brauche ich keine Hörgeräte.“
Das ist ein Irrtum. Bereits eine leichte oder einseitige Hörminderung sollte ernst genommen und behandelt werden. Denn unbehandelt kann sie sich unwiderruflich verschlechtern – bis zum völligen Hörverlust sowie einer deutlichen Einschränkung von Lebensqualität und Teilhabe.
Mythos 8: „Hörgeräte bringen sowieso nichts.“
Falsch. Moderne Hörgeräte verbessern nicht nur das Hören, sondern auch das Sprachverstehen in Gesprächen mit anderen. Außerdem bleiben Menschen mit gutem Gehör im Alter geistig länger fit. Denn gutes Hören unterstützt die kognitive Leistungsfähigkeit. Das Gehirn wird entlastet, weil es weniger Hördefizite ausgleichen muss.
Mythos 9: „Hörgeräte sind riesig und hässlich.“
Das ist nicht richtig. Moderne Hörgeräte sind klein, stylisch und dank Bluetooth oder KI technologisch auf dem neuesten Stand.
Mythos 10: „Hörsysteme helfen nur beim Hören.“
Tatsächlich leisten moderne Hörsysteme deutlich mehr: Hörgeräte und Cochlea-Implantate verstärken nicht einfach alle Geräusche gleich, sondern filtern gezielt Sprache aus Umgebungsklängen heraus. So sorgen sie für klares Verstehen, auch in lauten Umgebungen wie Restaurants oder auf Veranstaltungen.
Übrigens: Es gibt nicht nur zahlreiche Mythen rund ums Hören und Hörgeräte, sondern auch um Hörimplantate wie Cochlea-Implantate. Was stimmt und was nicht, lesen Sie in unserem Beitrag „10 Mythen über Hörimplantate“.
Irrtümer und Mythen rund ums Hören können Unsicherheit verstärken
Mythen und Irrtümer rund ums Hören wirken oft harmlos, können jedoch Unsicherheit schaffen. Kritisch wird es vor allem dann, wenn sie die Hörgesundheit beeinträchtigen oder eine rechtzeitige Versorgung bei einer Hörminderung verhindern.
Die repräsentative EuroTrak Germany Hörstudie 2025 zeigt, dass sich über neun Millionen Menschen in Deutschland selbst als hörgemindert einstufen, viele von ihnen warten mit der Hörversorgung. 18 Prozent der nach eigenen Angaben hörgeminderten Befragten lassen ihre Schwerhörigkeit nicht HNO-ärztlich abklären und verzichten damit auf die wichtige Diagnose sowie mögliche Therapieempfehlungen.
Irrtümer, Vorurteile und Mythen rund ums Hören und um Hörgeräte können dazu beitragen, Unsicherheit zu schüren oder ein völlig unbegründetes Schamgefühl zu erzeugen, sodass Menschen sich vor dem Gang zum Hörakustiker oder HNO-Arzt scheuen.
Unversorgte Schwerhörigkeit sollte nicht unbehandelt bleiben
Schwerhörigkeit sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn die Folgen einer Schwerhörigkeit können fast alle Lebensbereiche betreffen:
- Vermeiden von Gesprächen, weil sie anstrengend werden.
- Schwierigkeiten bei Telefonaten, Radiohören und Fernsehen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Orientierungs- und Balanceprobleme
- Kopfschmerzen
- Stressgefühl
- Soziale Rückzug, Vereinsamung
- Verlust des Selbstwertgefühl, weil sich Betroffene alltäglichen Situationen nicht mehr gewachsen fühlen.
- Studien (z. B. Lancet Comission, Livingston et al. 2020 oder Conceição Santos de Oliveira et al., 2023) zeigen zudem, dass eine Hörminderung zu den größten Risikofaktoren für beschleunigten kognitiven Abbau zählt.
Oft ist es betroffenen Menschen manchmal unangenehm, mit anderen über ihre Schwerhörigkeit zu sprechen. Dies kann sich sowohl negativ auf die private, als auch auf die berufliche Situation auswirken. Insgesamt können Menschen, die mit einer unerkannten oder unversorgten Schwerhörigkeit leben, einen deutlichen Verlust ihrer Lebensqualität wahrnehmen.
So einfach und effektiv ist Hörvorsorge
Regelmäßige Hörvorsorge ist deshalb wichtig:
- Ein regelmäßiger Hörtest alle zwei Jahre hilft, Veränderungen am Gehör früh zu erkennen. Insbesondere ab dem 50. Lebensjahr kann das Gehör nachlassen.
- Gehen Sie achtsam mit Ihrem Gehör um und tun Sie Ihm etwas Gutes, etwa mit 5-Minuten-Stille-Routinen. Aber auch eine gesunde Ernährung und Bewegung sind förderlich für das Gehör.
- Vermeiden Sie Lärm, so gut es geht oder tragen
- Suchen Sie einen HNO-Arzt auf und machen Sie einen Hörtest, wenn Sie Veränderungen an Ihrem Gehör bemerken, etwa Verständnisschwierigkeiten oder Ohrgeräusche.
Die gute Nachricht: Eine Schwerhörigkeit muss nicht mit sinkender Lebensqualität einhergehen. Ergebnisse der EuroTrak Germany Hörstudie 2025 zeigen: Menschen mit gut versorgter Hörminderung profitieren deutlich im Alltag. Sie berichten von besserer Kommunikation, mehr sozialer Teilhabe und einem gesteigerten mentalen Wohlbefinden. Fast alle Hörgeräte-Träger geben in der Hörstudie an, dass sich ihre Lebensqualität seit der Versorgung verbessert hat.
Hörsysteme: Klein, aber o-ho!
Klobig, langsam, wenig Leistung: Nicht nur rund ums Hören, sondern auch rund um Hörsysteme kursieren viele Vorstellungen, die längst überholt sind. Moderne Hörsysteme sind sie winzig, smart und extrem leistungsstark. So können sie zum Beispiel Sprache in Millisekunden – quasi in Echtzeit – analysieren. Das ist schneller, als sich Apps auf dem Smartphone öffnen. Denn pro Milliwatt liefern Hörsysteme mehr Leistung als ein Smartphone, optimiert für Miniaturgröße und Dauerbetrieb.
Und auch moderne Technologien wie KI sind inzwischen längst Standard: Sie analysiert die Umgebung, kann Sprache auch bei Lärm von anderen Geräuschen unterscheiden und passt die Klangverarbeitung dynamisch an die Hörsituation an.
Moderne Hörsysteme und Cochlea-Implantate sind zudem sehr diskret und auch in auffälligen Farben passend zur eigenen Haarfarbe, dem eigenen Kleidungsstil und zur eigenen Persönlichkeit erhältlich.
Ihre Experten für gutes Hören
Hörakustiker helfen Ihnen bei der Auswahl der passenden Hörgerätemodelle und bietet Geräte zum Probetragen. Haben Sie sich für ein Modell entschieden, stellt der Hörakustiker das Hörsystem mehr und mehr auf Ihre individuellen Anforderungen ein. Wenn nötig, erhalten Sie ein Hörtraining, um verlerntes Hören wieder zu gewinnen. Als Experte für gutes Hören steht Ihnen der Hörakustiker auch Rede und Antwort zu allen Fragen rund ums Hören.
Sie haben Fragen zu Schwerhörigkeit, Hörsystemen oder wollen wissen, was an Mythen rund ums Hören wirklich dran ist? Auf Ihr-Hoergeraet.de finden Sie Hörakustiker und HNO-Ärzte in ganz Deutschland, die Ihnen mit ihrem Wissen Antworten geben.
Ab zum Hörtest!
43 Prozent der Befragten der EuroTrak Germany Hörstudie 2025 haben in den letzten fünf Jahren einen Hörtest gemacht. Dem gegenüber stehen jedoch 34, die ihr Gehör noch nie haben überprüfen lassen. Irrtümer und Mythen rund ums Hören sind nicht der einzige Grund dafür, tragen jedoch dazu bei, Hörgesundheit nicht mit der Priorität zu behandeln, die sie erfordert. Zeit, das zu ändern!
Wer sein Gehör testen möchte, findet hier unseren Online-Hörtest. Dieser ersetzt jedoch keinen professionellen Hörtest bei einem Hörakustiker oder HNO-Arzt. Vereinbaren Sie einfach schnell und unkompliziert einen Termin für einen kostenlosen Hörtest bei einem Hörakustiker in Ihrer Nähe. Niederlassungen finden Sie in unserer Hörakustiker-Suche.